Greiz, Haupt- und Residenzstadt
des Fürstentums Reuß ältere
Linie, im freundlichen Thal der Weißen Elster, Knotenpunkt der Linien
G. - Brunn und Gera - Weischlitz der Sächsischen Staatsbahn, 260 m
ü. M., hat eine evang. Kirche, ein fürstliches Residenzschloß,
ein altes, hoch über der Stadt gelegenes Bergschloß, ein Sommerpalais
mit Park, ein Denkmal Kaiser Wilhelms I. und (1890) 20,141 Einw., davon
19,623 Evangelische, 407 Katholiken und 62 Juden. Die Industrie ist besonders
bedeutend in Wollwarenfabrikation (Kaschmir, Merino, Konfektionsstoffe,
etc.) und Färberei. Die Zahl der in diesen Branchen beschäftigten
Arbeiter beträgt ca. 7000, der jährliche Umsatz wird auf etwa
60 Mill. Mk. geschätzt. G. hat ein Gymnasium mit Realabteilung, ein
Schullehrerseminar, eine Webschule und ist Sitz der fürstlichen Regierung,
der fürstlichen Kammer, eines Konsistoriums, eines Landratsamts, eines
Landgerichts, einer Handelskammer, einer Reichsbanknebenstelle und der
Landesrentenbank. Zum Landgerichtsbezirk gehören die drei Amtsgerichte
zu Burgk, G. und Zeulenroda.
G., ehemals Grewez, ist wahrscheinlich slawischen Ursprungs.
Schon im 12. Jahrh. regierten daselbst Vögte von G., von denen die
Stadt zunächst an Gera, dann an die jüngere Linie des Hauses
Plauen kam. In der Nähe das Jagtschloß Jda und romantische Partien
des Elster- und Göltzschthales. Ein Brand legte G. 1802 fast ganz
in Asche. Vgl. Wilke, G. und seine Umgebung (Greiz 1875); Metzner, Vogtländische
Wanderungen (3. Aufl., Plauen 1889).
Jakobgut, Hauptort des Fürstentums Oadien, schön gelegen auf einer Anhöhe östlich des sächs. Dorfes Ranspach, unweit Pausa i. V., am Rande desselben, Sitz der Oadischen Nationalversammlung, 490 m ü. M., hat (1887) 5 evang. Einwohner. Vgl. Schmitt, Das Fürstentum Oadien im Wandel der Zeiten (Jakobgut 1878).
Mühltroff, Stadt in der sächs. Kreish. Zwickau, Amtsh. Plauen, an der Wiesenthal u. der Linie Schönberg - Schleiz der Sächsischen Staatsbahn, 438 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein Schloß, mechanische Kammgarnweberei (270 Stühle), Vorbereitung von Material zur Chenillefabrikation, Gold- und Silbermanufaktur, Schiffchenstickerei, Strumpfstickerei, Mahl- und Schneidemühlen und (1890) 1893 evang. Einwohner.
Pausa, Stadt in der sächs. Kreish. Zwickau, Amtsh. Plauen, an der Linie Werdau - Mehltheuer der Sächsischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, Maschinenstickerei, Weberei, Strumpfwirkerei, eine Mineralquelle und (1887) 3308 Einw. P. war früher ein besuchter Wallfahrtsort, wahrscheinlich wegen der dortigen Heilquelle. Vgl. Hiller, Die Stadt P. (Pausa 1887).
Plauen,
Amtshauptstadt in der sächs. Kreish. Zwickau, im Vogtlande,
an der Elster, 330 - 420 m ü. M., liegt zum großen Teil auf
einer über dem linken Elsterufer aufsteigenden Hochfläche, welche
durch das tief eingerissene Syrathal in zwei ungleiche Teile gespalten
wird, hat 2 evang. Kirchen (darunter die renovierte Hauptkirche St. Johannis),
eine kath. Kirche, eine Methodistenkirche, Denkmäler des Kaisers Wilhelm
I. u. des Dichters Julius Mosen u. (1895) 55,197 Einw., davon (1890) 1183
Katholiken und 104 Juden. P. gehört zu den gewerbereichsten Städten
des Königreichs Sachsen und ist Hauptort für Weberei weißer
Baumwollwaren und der Weißstickerei in Deutschland. Weberei
und Stickerei werden fast ausschließlich mechanisch betrieben. P.
hat eine größere Anzahl Fabriken für glatte und broschierte
Waren (Mull, Musselin, Jakonett und Batist), für Gardinen (broschierte
und neuerdings besonders englische gestickte), zahlreiche Maschinenstickereien
mit über 2000 Stickmaschinen (etwa 200 Weißwaren- Fabrikations-
und Konfektionsgeschäfte), 13 Bleich- und Appreturanstalten, 16 Färbereien,
eine bedeutende Baumwoll-, Streichgarn- und Vigognespinnerei, 5 Zwirnereien,
5 Lederfabriken, 8 Maschinenfabriken, darunter 2 für Stickmaschinen,
3 Geldschrankfabriken, Fabrikation von Treibriemen, Seilerwaren, Papier,
Geschäftsbüchern, Zementwaren, Kunststeinen, Pianofortes etc.,
Bierbrauerei, Ziegelbrennerei und Kunst- u. Handelsgärtnerei. Der
Handel, unterstützt durch eine Handels- und Gewerbekammer, eine Reichsbanknebenstelle
und andere öffentliche Geldinstitute sowie durch ein Konsulat der
Vereinigten Staaten Nordamerikas, befaßt sich vorzugsweise mit den
dort hergestellten Fabrikaten, für deren Vertrieb unter anderen auch
9 Speditions- und Kommissionsgeschäfte thätig sind. Besucht sind
auch die dortigen Viehmärkte, deren jährlich 18 stattfinden.
Dem Verkehr in der Stadt dient eine elektrische Straßenbahn und eine
Telephonanlage; letztere stellt auch Verbindung mit Leipzig, Altenburg,
Zwickau, Reichenbach, Chemnitz, Berlin etc. her. Für den Eisenbahnverkehr
ist die Stadt mit 2 Bahnhöfen Knotenpunkt der Linien Leipzig - Hof,
Reichenbach - Eger und Gera - Weischlitz der Sächsischen Staatsbahn.
P. hat ein Gymnasium (aus der Reformationszeit), eine Realschule, ein evang.
Schullehrerseminar, eine Handels-, eine Frauenindustrie-, und eine Baugewerkschule,
ein Waisenhaus, etc. und ist Sitz eines Landgerichts und eines Hauptsteueramts.
Die städtischen Behörden zählen 12 Magistratsmitglieder
und 36 Stadtverordnete. In der Nähe ist der Kemmlerberg mit Aussichtsturm
und schöner Fernsicht. Zum Landgerichtsbezirk P. gehören die
Amtsgeriche zu Adorf, Auerbach, Elsterberg, Falkenstein, Klingenthal, Lengenfeld
i. V., Markneukirchen, Ölsnitz, Pausa, P., Reichenbach i. V. und Treuen.
P. (Plawe), zuerst 1122 urkundlich erwähnt, wurde
wahrscheinlich von den Sorben gegründet und gehörte zu Anfang
des 12. Jhd. den Grafen von Eberstein im Gau Dobna, dann seit 1230 den
Vögten von Weida. Einer derselben erscheint 1232 als erster "Vogt
von P." (s. Reuß, Geschichte). 1327 ward P. böhmisches Lehen,
1466 von König Georg Podiebrad dem Kurfürsten Ernst von Sachsen
verliehen und 1485 der Ernestinischen Linie zugeteilt. 1547 belehnte Karl
V. den Burggrafen Heinrich V., einem Abkömmling der früheren
Vögte, mit P.; doch schon sein Sohn Heinrich VII. verkaufte es 1569
für 110,000 Gulden an Kursachsen. Seit 1524 fand die Reformation durch
den Dominikaner Raute und den Ordenskomtur Eulner Eingang in der Stadt.
Durch eingewanderte Schweizer wurde im 16. Jhd. die Baumwollwirkerei in
P. eingebürgert. Von 1656 - 1718 gehörte P. als Hauptstadt des
Vogtlandes der Nebenlinie Sachsen-Zeitz, ward dann aber für immer
mit Kursachsen vereinigt. Vgl. Fiedler, die Stadt P. im Vogtland (Plauen
1874); Derselbe, Beiträge zur Geschichte der Stadt P. (das. 1876);
Führer von Metzner (das. 1887, Münch. 1893); "Technischer Führer
durch P." (Plauen 1891); "Mitteilungen des Altertumsvereins zu P."
Schleiz, Haupt- und Residenzstadt
des früheren Fürstentums
Reuß-Schleiz, seit der Vereinigung der beiden Fürstentümer
Reuß jüngere Linie (1848) die zweite Residenz des Landes, in
lieblicher Lage an der Wiesenthal u. an der Linie Schönberg - Schleiz
der Sächsischen Staatsbahn, 442 m ü. M., hat ein neues, schönes
fürstliches Residenzschloß, 2 evang. Kirchen (darunter die altertümliche
Bergkirche mit der fürstlichen Gruft), ein Gymnasium, ein Schullehrerseminar,
eine Taubstummenanstalt, eine Holzschnitzschule, eine Idiotenanstalt, ein
Waisenhaus, ein Hospital, ein Arbeitshaus, die fürstliche Kammer,
ein Amtsgericht, ein Landratsamt (für den Oberländischen Bezirk),
einen fürstlichen Marstall, Fabrikation von Metall-, Holz- u. Spielwaren,
Weberei, Strumpfwirkerei, Gerberei, Buchbinderei, Bierbrauerei, etc., besuchte
Vieh- und Schweinemärkte und (1895) 5094 Einw., davon 56 Katholiken.
S. ist Geburtsort Böttgers, des Erfinders des Porzellans. In der Nähe
das Luftschloss Heinrichsruhe und 4 km südwestlich in romantischer
Lage hoch über der hier vielfach gewundenen Saale das alte Schloß
Burgk (s. d.).
An der Stelle des jetzigen Residenzschlosses in S. stand
in ältester Zeit eine sorbenwendische Warte; die Stadt selbst wird
urkundlich zuerst 1273 erwähnt und Slowitz genannt und erhielt 1359
städtische Rechte; sie hatte im Hussiten- und im Dreißigjährigen
Krieg sehr viel zu leiden und brannte 1689, 1837 und 1850 größtenteils
ab. Vom 13. bis 16. Jahrh. bestand hier eine Niederlassung des Deutschen
Ordens. Am 9. Okt. 1806 fand hier ein für die Franzosen unter Davout
siegreiches Gefecht gegen die Preußen unter Tauenzien statt. Vgl.
Alberti, Geschichte des deutschen Hauses zu S. (Schleiz 1877).
Tanna, Stadt im Fürstentum Reuß j. L., Landratsamt Schleiz, an der Linie Schönberg - Hirschberg der Sächsischen Staatsbahn, 538 m ü. M., hat eine evang. Kirche, Gerberei, Stickerei, einen Marmorbruch, Viehmärkte, Holzhandel und (1891) 1619 Einw., davon 9 Katholiken.
Treuen, Stadt in der sächs. Kreish. Zwickau, Amtsh. Auerbach, an der Trieb und der Linie Herlasgrün - Falkenstein der Sächsischen Staatsbahn, 471 m ü. M., Hat eine evang. Kirche, 2 Schlösser, eine Webschule, eine Bezirksarmenanstalt, ein Amtsgericht, Streichgarn-, Woll- und Baumwollspinnerei, bedeutende Fabrikation wollener und baumwollener Tücher, von Segeltuch, Treibriemen, ätherischen Ölen und Essenzen und (1890) 6784 Einw., davon 53 Katholiken. T. erhielt 1390 Stadtrecht. Vgl. Bohnstedt, Geschichtliches der Stadt T. (Plauen 1892).
Zeulenroda, Stadt im Fürstentum Reuß ä. L., in bergiger Gegend, an der Linie Werdau - Mehltheuer der Sächsischen Staatsbahn, 416 m ü. M., hat 2 evang. Kirchen, ein imposantes Rathaus, ein Amtsgericht, bedeutende Strumpf- und Gummiwaren-, Maschinen-, Möbel-, Bandagen- u. Seifenfabrikation, Wollweberei, Bierbrauerei und (1895) 8942 Einw., davon 68 Katholiken. Z. erhielt 1438 Stadtrecht.